"Handeln, das ist, wozu wir da sind."

 

 

 

Keine Angst vor Hunden 

Wenn Kinder sich vor Hunden fürchten, liegt das oft auch am Verhalten der Eltern. Zwölf goldene Regeln zum richtigen Umgang mit Hunden. 

Der will doch nur spielen, der tut doch nichts“, sagen Hundebesitzer gern. Hoffentlich, denken viele Eltern. Und halten den Nachwuchs trotzdem lieber fern mit Sätzen wie: „Sei vorsichtig. Geh zur Seite! Wir wissen nicht, ob der beißt.“ Hundeangst ist ein weit verbreitetes Phänomen bei Kindern – und bei ihren Eltern. Oder umgekehrt: Weil die Eltern Angst haben, fürchten sich auch die Kinder.

„Mein Eindruck ist, dass die Angst vor Hunden zunimmt. Und zwar in dem Maß, wie der natürliche Umgang mit ihnen abnimmt“, sagt Ortrun Berger, leitende Psychologin der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bezirksklinikums Ansbach. Zum einen fühlten sich immer mehr Eltern im Kontakt mit einem Vierbeiner unwohl. Zum anderen gebe es in vielen Familien „überhaupt keine Erfahrung mit Tieren und ihrem Verhalten“. 

Hundephobie: Hilfe vom Therapeuten

Eine Hundephobie-Gruppe für Kinder, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen, weil sie womöglich einem Hund begegnen könnten, betreuen Bergers Mitarbeiter in Ansbach. „Wenn sich die Kleinen sehr stark einschränken in ihrem Leben, sollte man Hilfe bei einem Therapeuten suchen“, rät sie auf alle Fälle dann, „wenn die Kinder anfangen, Alltagssituationen aus Angst vor Hunden zu vermeiden.“ Das ist auf Dauer unmöglich: In Deutschland leben rund 5,3 Millionen Hunde. Man trifft sie überall: auf dem Schulweg, in der Stadt, bei Freunden. Immerhin wohnen 15 Prozent der Jugendlichen mit einem Vierbeiner zusammen.

In den allermeisten Fällen ist die Scheu vor Hunden eine vorübergehende Phase, eine sogenannte Entwicklungsangst, die vorwiegend im Vorschulalter bis zum frühen Grundschulalter auftritt. Sie hört von allein wieder auf, und zwar umso schneller, je mehr die Kinder über das für sie oft unbekannte Wesen erfahren. Bücher und Filme helfen, Hunde und ihr Verhalten zu verstehen. Besuche bei Freunden mit einem kinderlieben Hund bauen ungerechtfertigte Ängste ab. „Je mehr Kinder über die Tiere wissen, desto besser und sicherer fühlen sie sich.“ 

Richtiges Verhalten schützt

Es ist aber immer wichtig, die gesunde Vorsicht zu behalten. „Denn nicht jeder Hund ist freundlich“, räumt Berger ein. Wenn ein Hund wirklich zuschnappt, ist es selten ein aggressives, fremdes Tier. Eine Untersuchung der Universität Graz ergab, dass rund drei Viertel der Kinder und Jugendlichen, die durch einen Hundebiss verletzt wurden, das Tier kannten. Bei einem Drittel war es sogar der eigene Hund. Hauptursache ist falsches Verhalten beim Spielen. Einer der häufigsten Fehler: das frontale Zustürmen auf einen Hund, ohne vorher den Besitzer zu fragen. Oder Kinder missachten Sig­nale des Tiers, erkennen nicht, wenn es gerade nicht gestreichelt werden will. Schreien und Weglaufen wird vom Hund häufig als Aufforderung zum Spielen missverstanden. Er rennt auf das Kind zu, springt an ihm hoch. Der kleine Zweibeiner fühlt sich verfolgt und angegriffen.

Die beste Taktik der Eltern: Für mehr Verständnis sorgen, auf beiden Seiten. Psychologin Berger: „Kinder und Hunde sind sich da sehr ähnlich. Sie müssen ihre Erfahrungen machen. Dann kommen sie gut miteinander aus. Aber ein Erwachsener sollte die Situation immer überwachen.“ 

Behandle einen Hund so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.

Auch Du magst es nicht, wenn man Dich an den Ohren oder den Haaren zieht, Dir auf die Zehen tritt oder Dich auch einfach nur abknutscht, wenn Dir gerade nicht danach zumute ist. Hunde können nicht sagen: „Hör auf!“. Sie können sich nur mit den Zähnen wehren, und das kann sehr weh tun. 

Ein Hund kann noch so lieb aussehen – geh nicht zu ihm hin, ohne zu fragen.

Man weiß nie, welche Erfahrungen ein Hund schon gemacht hat. Wenn ein Hund will, wird er schon von selbst zu Dir kommen. Viele Hunde lieben Kinder, weil man so gut mit ihnen spielen kann. 

Vermeide alles, was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte.

Wenn sich ein Hund herausgefordert fühlt, kämpft er. Und wie! Ein richtig wütender Hund ist kaum zu bremsen. Also: Drohgebärden unterlassen! 

Schau einem Hund nicht starr in die Augen.

Wenn sich zwei fremde Hund begegnen, versuchen sie zuerst, sich auf eine Rangordnung zu einigen. Ein wichtiges Mittel dafür ist das „Sich-in-die-Augen-gucken“. Wer zuerst den Kopf wegdreht, ordnet sich dem anderen unter. Wenn Du einem Hund in die Augen guckst, meint er, dass Du Dich mit ihm messen oder sogar kämpfen willst. Schau also lieber auf die Ohrenspitzen oder auf seine Schnauze.
 

Komm nicht in die Schwanznähe, versuche nicht daran zu ziehen und tritt nicht darauf.

Für den Hund ist der Schwanz nicht ein x-beliebiger Körperteil, sondern ein wichtiges Ausdrucksmittel. So, wie wir unsere Sprache mit den Händen unterstreichen, ergänz der Hund seine „Sprache“ mit dem Schwanz. Ängstliche Hunde klemmen den Schwanz zwischen die Beine. Ein steil nach oben oder nach hinten gestreckter Schwanz bedeutet: „Achtung – ich bin gerade furchtbar böse." 

Störe einen Hund nicht beim Fressen. Versuche unter gar keinen Umständen, ihm sein Futter wegzunehmen.

Jede Störung beim Fressen betrachtet der Hund als Angriff auf sein Recht auf Futter, und das darf er einfach nicht hinnehmen. Er wird sein Fressen mit allen Mitteln verteidigen. Also: Finger weg zum Futternapf. 

Wenn Du mit einem Hund spielst, achte darauf, den Zähnen nicht zu nahe zu kommen.

Für Hunde gibt es nichts Schöneres, als etwas zu fangen, zu erjagen und festzuhalten – zum Beispiel ein Stöckchen oder einen Ball. Wenn du mit einem Hund spielst, kann es passieren, das dass Tier im Eifer einmal mit den Zähnen daneben schnappt. Das ist zwar nicht böse gemeint, tut aber ganz schön weh. 

Versuche nie, raufende Hunde zu trennen.

Ein kämpfender Hund konzentriert sich nur auf seinen Gegner. Er hört nicht mehr und lässt sich nicht ablenken. Darum merkt er auch nicht, wenn er in einen Hand beißt, die ihm helfen will. Darum kannst Du nur eines tun: zwei Erwachsene zu Hilfe holen. 

Auch wenn du Angst hast – laufe nie vor einem Hund davon!

Jeder Hund hat einen Hetz- oder Jagdinstinkt. Dafür kann er nichts, das steckt einfach in ihm drin. Wenn sich jemand schnell von ihm entfernt, dann muss er hinterher, um ihn festzuhalten. 

Du hast zwei Hände. Der Hund hat nur seine Zähne, um etwas festzuhalten.

Wenn ein Hund nach Dir greift, halte still. Beweg Dich nicht. Die meisten Hunde wollen gar nicht beißen, sondern nur festhalten. Das piekst zwar, ist aber meist gar nicht so schlimm, wenn man stillhält. Widerstand reizt den Hund nur weiter. Etwas, das sich nicht bewegt, ist für Hunde uninteressant. 

Wenn Du mit einem Hund spielst, achte sicherheitshalber darauf, dass ein Erwachsener in der Nähe ist.

Erwachsene sind nun mal größer und meist kräftiger als Kinder. Das bedeutet für den Hund ganz automatisch, dass sie mehr zu sagen haben. Bei einem Konflikt mit einem Hund kann ein Erwachsener zu Deinen Gunsten entscheiden. 

Kein Hund ist wie der andere.

Nicht mal, wenn es Zwillinge sind. Zwei Hunde, die gleich aussehen, können ganz verschieden sein. Darum musst Du jeden Hund neu kennenlernen und herausfinden, ob er Dich mag.

 


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Stand: 09.04.2012